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Nairobi Nights – eine Ethnographie nächtlicher Atmosphären

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Reich, Hanna Lena:
Nairobi Nights – eine Ethnographie nächtlicher Atmosphären.
Bayreuth , 2021 . - 366, 74 p.
( Doctoral thesis, 2020 , Universität Bayreuth, Bayreuth International Graduate School of African Studies - BIGSAS)
DOI: https://doi.org/10.15495/EPub_UBT_00005927

Official URL: Volltext

Abstract in another language

Die Nacht wird für die unterschiedlichsten Aktivitäten genutzt. Nacht ist nicht einfach da, sondern sie wird gemacht, sie wird mit Bedeutung versehen, sie ist kulturell geprägt. Dies ist der Ausgangspunkt des Buches, das die Nacht in der kenianischen Hauptstadt Nairobi erforscht. Ziel ist es, die Nacht nicht als Verlängerung des Tages zu betrachten, sondern als etwas Eigenständiges. Die Nacht wird mit Hilfe eines phänomenologischen Ansatzes und dem Konzept der Atmosphären untersucht; die Autorin verschafft sich dadurch Zugang zur „gelebten Nacht“.
Das Buch besteht aus zwei Teilen, die unterschiedliche Ziele in der Erschließung des Nächtlichen verfolgen. Teil I der Arbeit verfolgt das Ziel, verschiedene Herangehensweisen (theoretisch und methodisch) herauszuarbeiten, mit Hilfe derer die Nacht betrachtet wird. Teil II liefert dichte ethnographische Beschreibungen der unterschiedlichen Facetten der Nacht in Nairobi. Der Bildband, der diese Arbeit komplettiert, dient dazu, den Lesenden die unterschiedlichen nächtlichen Atmosphären neben der textlichen Beschreibung visuell näher zu bringen.
Die Autorin fasst Atmosphäre als einen gestimmten Raum, der abhängt von der eigenen subjektiven Stimmung, von den äußeren Gegebenheiten und vom kulturellen/sozialen Kontext. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie etwas Vages wie Atmosphären empirisch eingefangen werden können. Das Methodenkapitel zeigt, dass drei Aspekte von Bedeutung sind, um Atmosphären empirisch zu fassen: detaillierte Beschreibungen, die alle sinnlichen Erfahrungen miteinbeziehen, das Berücksichtigen eigener atmosphärischer Erfahrungen sowie die Verknüpfung verschiedener methodischer Werkzeuge, die auf unterschiedliche Facetten von Atmosphären abzielen.
Der empirische Teil der Arbeit wird in Form von unterschiedlichen Nachtspaziergängen präsentiert. Dabei spielen sowohl die Vorbereitungen auf die Nacht, die nächtlichen Atmosphären als auch das Ende der Nacht und der Übergang zum nächsten Morgen eine Rolle. Der Fokus in diesen Spaziergängen liegt auf der Beschreibung nächtlicher Atmosphären, von still, geheimnisvoll und gefährlich bis hin zu befreiend und feierlich. Die Autorin zeigt, dass die Erzeugung von Atmosphären durch unterschiedliche Bestandteile beeinflusst wird: das Wetter, Geräusche, die Tageszeit, Licht und Dunkelheit, andere Menschen, Architektur, Erlebnisse, Interaktionen und Sinneseindrücke wie Gerüche. Atmosphären müssen aufgespürt werden. Sie sind nicht immer sofort erkennbar und auf Grund dessen, dass sie subjektiv wahrgenommen werden, gibt es eine Vielzahl von Atmosphären und ihrer Interpretationen. Diese werden wahrgenommen, evoziert, hergestellt, inszeniert, gemieden oder bewusst aufgesucht. Im Anschluss an die empirischen Spaziergänge diskutiert die Autorin die verschiedenen Eigenschaften von Atmosphären auf konzeptueller Ebene. Atmosphären beruhen auf Emotionen und liegen häufig im Ungefähren, aber sie sind dennoch real und wirkmächtig. Eine zentrale Schlussfolgerung der Arbeit ist, dass in dieser atmosphärischen Gestimmtheit ein Aufforderungscharakter entsteht, der an die Handlungsbereitschaft der Menschen appelliert. Demnach wird auch die Nacht erst durch die spezifischen Praktiken ihrer Akteur*innen hervorgebracht.
Dies leitet über zu einer breiteren konzeptuellen und analytisch fundierten Diskussion der Nacht. Im Besonderen werden Thematiken diskutiert, welche die Nacht im Allgemeinen – nicht nur auf den Forschungskontext Nairobi bezogen - betreffen. Dazu zählen gesellschaftliche Aspekte wie Geschlechterbeziehungen, Arbeit und Freizeit, Urbanität, Infrastruktur und Nachtökonomie, aber auch Fragen von Ausgrenzung und Zusammengehörigkeit sowie Unsicherheit und Kriminalität. Ziel ist es, Begrifflichkeiten, die sich aus der Ethnographie herauskristallisieren, zu beleuchten und herauszuarbeiten, inwiefern diese zur Herstellung und Wahrnehmung nächtlicher Atmosphären beitragen.
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Nacht und ihre Gestaltung einen individuellen Charakter besitzen. Sie birgt ihre Eigenheiten und es gibt Ordnungen, die nur in der Nacht und andere, die nur am Tage gelten. Eine wichtige Erkenntnis der Arbeit ist, dass die Nacht nicht immer einen klar umrissenen Zeitrahmen hat, sondern individuell verhandelbar ist und spezifische Vorstellungen darüber herrschen, die von den Lebensumständen der*des Einzelnen und dem soziokulturellen Kontext abhängen. Die Eigenschaften, die mit ihr verbunden werden, sind vielfältig, sie reichen von Freiheit, Intimität, Stille und Stillschweigen, über Schönheit, Offenheit und Zugehörigkeit, bis hin zu Dunkelheit, Gefahr und Bedrohung. Für all diese Eigenschaften liefert das vorliegende Buch empirisch-fundierte und ethnographisch aufgearbeitete Beispiele. Es gibt kein allumfassendes Narrativ der Nacht, weswegen die Autorin zu dem Schluss kommt, dass die Nacht facettenreich ist und Atmosphären als Lesart ihre nuancierte Betrachtung ermöglichen.

Abstract in another language

Night is not just there, it is made, it is given meaning, it is culturally shaped. This is the starting point of the book, which explores the night in the Kenyan capital Nairobi. The night is not seen as an extension of the day, but as something of its own. With the help of a phenomenological approach and the concept of atmospheres, the night is examined; the author thereby gains access to the "lived night".
The book consists of two parts that pursue different goals in the exploration of the nocturnal. Part I of the work aims to elaborate different approaches (theoretical and methodological) that can be used to look at the night. Part II provides dense ethnographic descriptions of the different facets of the night in Nairobi. The illustrated book that completes this work serves to bring the reader visually closer to different nocturnal atmospheres alongside the textual description.
The author conceives of atmosphere as a tuned space that depends on one's own subjective mood, on external circumstances and on the cultural/social context. The study of atmospheres focuses on the question of how something vague like the atmospheric can be captured empirically. The methods chapter shows that three aspects are important to capture atmospheres empirically: detailed descriptions that include all sensory experiences, taking into account one's own atmospheric experiences, and linking different methodological tools that target different facets of atmospheres.
The empirical part of the work is presented in the form of night walks. Both the preparations for the night, the nocturnal atmospheres and the end of the night and the transition to the next day play a role. The focus in these walks is on the description of nocturnal atmospheres, from silent, mysterious and dangerous to liberating and celebratory. The author shows that the creation of atmospheres is influenced by different components: the weather, sounds, the time of day, light and darkness, other people, architecture, experiences, interactions and sensory impressions such as smells. Atmospheres have to be detected. They are not always immediately recognisable and because they are perceived subjectively, there is a multitude of atmospheres and their interpretations. Atmospheres are not only perceived, but evoked, produced, staged, avoided or consciously visited. Following the empirical walks, the author discusses the different characteristics of atmospheres on a conceptual level. Atmospheres are based on emotions and are often vague, but they are nevertheless real and powerful. A central conclusion of the work is that in this atmospheric moodiness there is a calling character that appeals to people's willingness to act. Accordingly, the night is also only brought about through the specific practices of its actors.
This conclusion leads to a broader conceptual and analytically grounded discussion of the night. In particular, issues concerning the night in general - not only related to the research context of Nairobi - are discussed. These include social aspects such as gender relations, work and leisure, urbanity, infrastructure and the night economy, but also questions of exclusion and belonging as well as insecurity and crime. The aim here is to shed light on conceptualisations that emerge from ethnography and to work out the extent to which these contribute to the production and perception of nocturnal atmospheres.
The research results show that night and its design have an individual character. Night is used for a wide variety of activities; there are orders that only apply at night and others that only apply during the day. An important finding of the work is that night does not always have a clearly defined time frame but is individually negotiable and specific ideas about it prevail, depending on the individual's life circumstances and the respective socio-cultural context. The qualities associated with it are diverse, ranging from freedom, intimacy, silence and stillness, to beauty, openness and belonging, to darkness, danger and threat. This book provides empirical and ethnographic examples of all these qualities. There is no all-encompassing narrative of the night, which is why the author concludes that the night is multifaceted and that only the study of nocturnal atmospheres enables its nuanced observation.

Further data

Item Type: Doctoral thesis
Keywords: Nacht; Atmosphäre; Nairobi
Institutions of the University: Faculties > Faculty of Cultural Studies > Former Professors > Professor Anthropology of Africa - Univ.-Prof. Dr. Georg Klute
Graduate Schools > University of Bayreuth Graduate School
Faculties
Faculties > Faculty of Cultural Studies
Faculties > Faculty of Cultural Studies > Former Professors
Graduate Schools
Result of work at the UBT: Yes
DDC Subjects: 300 Social sciences
Date Deposited: 25 Dec 2021 22:00
Last Modified: 10 Jan 2022 07:34
URI: https://eref.uni-bayreuth.de/id/eprint/68244