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Passion für das Unmögliche : Befreiung als Narrativ in der amerikanischen feministischen Theologie

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Cortiel, Jeanne:
Passion für das Unmögliche : Befreiung als Narrativ in der amerikanischen feministischen Theologie.
Essen : Verl. Die Blaue Eule , 2001 . - 192 p. - (Arbeiten zur Amerikanistik ; 30 )
ISBN 3-89206-052-5

Abstract in another language

Passion für das Unmögliche analysiert modellhaft den feministischen religiösen Diskurs in den Vereinigten Staaten, der bisher aus amerikanistischer Sicht noch so gut wie nicht untersucht worden ist. Insbesondere die deutschsprachige Amerikanistik hat sich – mit wenigen Ausnahmen – mit Religion als konstitutivem Element des amerikanischen Selbstverständnisses kaum auseinandergesetzt. Ausgehend von den Methoden der amerikanistischen Literatur- und Kulturwissenschaft tritt diese Arbeit in Dialog mit der zeitgenössischen feministischen Theologie und zeigt, dass deren Befreiungsnarrative sich unmittelbar in zentrale kulturelle Narrative der Vereinigten Staaten einschreiben. Die feministische Theologie ist für eine amerikanistische Analyse der Gegenwartskultur deshalb so interessant, weil sich in ihr fundamentale Transformationsprozesse in der amerikanischen Gegenwartskultur konzentrieren: die Neuformulierung von Religion, Sexualität und Geschlecht.
Kapitel 1 stellt die zentralen Fragestellungen und methodischen Grundlagen der Arbeit vor. Basis der Untersuchung sind die Texte zweier Hauptvertreterinnen der amerikanischen feministischen Theologie, Rosemary Radford Ruether und Mary Daly, sowie deren Rezeption im religiösen Diskurs. Diese beiden Autorinnen, die in der katholischen theologischen Tradition verankert sind, werden in diesen Texten zu Prophetinnen der feministischen religiösen Bewegung und als solche Protagonistinnen ihres eigenen Befreiungsnarrativs. Die Analyse betrachtet diese konfessionsübergreifende feministische Religion als Teil der “American Religion” (Harold Bloom) und identifiziert ihren zentralen Narrativ, die Rettung des weiblichen Kindes, als signifikante Intervention in das Archiv der amerikanischen kulturellen Narrative. In Anlehnung an Martin Bubers Verständnis von Dialog in der Spannung zwischen den Grundworten “Ich-Du” und “Ich-Es” und Roland Barthes’ “Lust am Text” formuliert dieses Kapitel die Kulturanalyse als grundlegend gespaltenen Akt der Interpretation. Als “Du” nimmt der Text auf die methodische und theoretische Reflexion der Lektüre Einfluss, während er als “Es” gleichzeitig zum Objekt dieser Analyse wird.
Kapitel 2 zeigt, wie die autobiographischen Texte von Ruether und Daly die Figur der Prophetin nutzen, um sich politische und religiöse Macht zu erschreiben, die zwar die narrative Konstitution des männlichen heterosexuellen Subjekts aktiviert, aber auf einer emphatisch weiblichen Präsenz im Text beruht. Die Autorität der prophetischen Geste im autobiographischen Text erweist sich dabei als abhängig von der Bestätigung durch die akademische und populäre Rezeption. Die jeweiligen Geburts- bzw. Kindheitsnarrative der Autobiographien erzeugen ein ursprüngliches Selbst, das sich in der symbolisch überhöhten Beziehung zur Mutter und unter Ausschluss des Vaters als immer schon feministisch und immer schon prophetisch manifestiert. Ein akademisches Konversionserlebnis ersetzt die Heirat als Initiation ins weibliche erwachsene Selbst. Die Figur der Prophetin zeigt sich also schon in der Analyse der Autobiographien als in einem paradoxen Spannungsfeld zwischen Macht, Sexualität und Spiritualität konstituiert.
Kapitel 3 wendet sich der räumlichen und zeitlichen Dimension des Befreiungsnarrativs zu und weist nach, daß die zentralen Entwicklungsmetaphern des autobiographischen Textes, die den traditionellen Topos der Lebensreise nutzen aber auch subvertieren, bei beiden Autorinnen unmittelbar in die theologische Formulierung der prophetischen Vision importiert werden. Die spiralförmige interpretative Reise der Prophetin durch den Text – als Spiralgalaxie oder hermeneutischer Zirkel verbildlicht – produziert den Raum der Befreiung in Abhängigkeit von ihrer Bewegung. Im Grenzraum zwischen der korrupten Kultur, die sie kritisieren, und der utopischen Welt ihrer Vision treten beide Prophetinnen mit einer Leserinnenfigur in Beziehung, die der Text implizit durch Anrede als gerettetes “Kind” in den Befreiungsnarrativ einbindet. Dieser Rettungsnarrativ kombiniert den amerikanischen Exodus-, frontier- und Wohlfahrtsnarrativ kreativ mit einer Liebesgeschichte zwischen älterer und jüngerer Frau. Ein Vergleich mit feministischer spekulativer Literatur verdeutlicht, daß die für Dalys und Ruethers späteres Werk jeweils zentralen Begriffe “Biophilic Bonding” und “biophilic mutuality” diesen erotischen Narrativ der Befreiung aus dem Patriarchat, den sie zugleich verbergen und offen legen, mobilisieren.
Kapitel 4 analysiert in einem weiteren Schritt, wie der prophetische Text die Leserin als Figur des Befreiungsnarrativs erzeugt und spezifiziert das Begehren, das den Befreiungsnarrativ als solchen erst ermöglicht. Dieses Begehren operiert in einer triadischen Beziehung zwischen junger Frau, erwachsener Frau, und Prophetin, die den Lebensnarrativ der Autorinnen wiederholt und den männlichen Rivalen de facto ausschließt. Letztendlich ist die Rettung, wie eine Lektüre der theologischen Texte im Vergleich mit feministischer Pornographie nachweist, ebenso notwendig wie unmöglich für den feministischen Text: Sie beruht auf dem inhärenten tragischen Konflikt der erotischen Muster, die der Narrativ aktiviert. Die erotische Beziehung zwischen Frauen, die die angestrebte Egalität garantieren soll, ist selbst in einer Machtdifferenz konstituiert. Genau dieser tragische Konflikt macht jedoch den Narrativ so interessant und so erfolgreich in einem postmodernen Kontext: Die Prophetin bleibt als Figur der weiblichen Macht immer instabil und damit dynamisch.
Kapitel 5 fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und skizziert mögliche, auf dieser Analyse aufbauende Fragestellungen für die Forschung. Insgesamt zeigt sich das pädagogische Begehren zwischen den Figuren von Autorin und Leserin in den Texten der feministischen Theologie als zentrale Bedingung für deren zentralen Befreiungsnarrativ. Es bestätigt gleichzeitig emphatisch die Weiblichkeit der Protagonistinnen und destabilisiert sie fundamental. Ausgehend von dieser Analyse ergibt sich eine umfassendere Kontextualisierung der beiden Autorinnen und der feministischen Theologie insgesamt als zukünftiges Feld für die Forschung, sowie eine weiterführende Theoretisierung des kulturellen Narrativs für die Analyse amerikanischer religiöser Diskurse.

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Item Type: Book / Monograph
Additional notes: Zugl.: Universität Dortmund, Dissertation, 2000
Keywords: Religion; Theology; Feminism
Institutions of the University: Faculties > Faculty of Languages and Literature > Professorship American Studies > Professorship American Studies - Univ.-Prof. Dr. Jeanne Cortiel
Profile Fields > Emerging Fields > Cultural Encounters and Transcultural Processes
Research Institutions > Research Centres > Bayreuth Institute for American Studies - BIFAS
Faculties
Faculties > Faculty of Languages and Literature
Faculties > Faculty of Languages and Literature > Professorship American Studies
Profile Fields
Profile Fields > Emerging Fields
Research Institutions
Research Institutions > Research Centres
Result of work at the UBT: No
DDC Subjects: 800 Literature > 810 American literature in English
Date Deposited: 04 Dec 2015 10:02
Last Modified: 17 Apr 2019 07:44
URI: https://eref.uni-bayreuth.de/id/eprint/7944