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Die Institutionalisierung der Schauspielschulen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Titelangaben

Ernst, Wolf-Dieter:
Die Institutionalisierung der Schauspielschulen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
In: Hagen, David ; Lazardzig, Jan ; Neuß, Thekla ; Nikolai, Angela ; Schmidt, Dörte , Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaft (Hrsg.): Akademisierung der Künste : Situierung, Episteme, Kodifizierung. - München : Edition Text + Kritk , 2026
ISBN 978-3-689-30000-5

Angaben zu Projekten

Projektfinanzierung: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaft

Abstract

Der Beitrag legt die Institutionalisierung der Schauspielausbildung in Deutschland dar, die sich
in unterschiedlichen Schüben vollzog. Von der ersten Forderung einer staatlichen Schauspielschule durch die Theaterreformer der Aufklärungszeit bis zu den Einrichtungen
erster staatlicher Schulen war es ein langer Weg. Im Vergleich zu den früher in staatlicher Hand
geführten Schulen für bildende Künstler:innen und Musiker:innen wird dabei ein Mangel an überzeugenden Gründen, mehr noch aber ein Mangel an zwingenden Glaubenssätzen deutlich, der lange Zeit spezifisch für eine Schauspielschule zu beklagen war. Am Beispiel der zwei
parallel geführten Schulen in Berlin, der Schauspielschule am Deutschen Theater in privater Hand und der ersten deutschen Schauspielschule in staatlicher Hand, wird deutlich, dass ein institutioneller Wandel nur auf der Ebene der Glaubenssätze und Rationalitätsmythen wirksam
werden kann: Der Weg hin zu einer formalen Institution mit anerkanntem Zertifizierungswesen verlangte, dass der Staat von seiner Verpflichtung zur Förderung der darstellenden Künste überzeugt wurde. Der Kern der Erzählung zielte daher nicht länger nur auf künstlerischen Erfolg, sondern auch auf das demokratische Ideal einer Bildungsgerechtigkeit für alle. Dies passte in die Demokratisierungstendenzen der Theaterlandschaft in der Weimarer Republik, zur Aufhebung der Theaterzensur, zur Öffnung der Theater für weitere Schichten der Bevölkerung über Zuschauerorganisationen, zur Regelung von sozialen Rechten der am Theater Beschäftigten und zum Selbstverständnis einiger Theatermacher wie etwa Piscator oder Brecht, über politische Themen und neue Spielformen aktiv am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft mitzuwirken.

Abstract in weiterer Sprache

This article examines the institutionalization of acting training in Germany, a process that unfolded in distinct phases. The establishment of state-run drama schools represented a significant evolution, progressing from the initial calls for such institutions by Enlightenment-era theater reformers. Unlike the earlier establishment of state-supported schools for visual artists and musicians, the development of drama schools faced a notable lack of persuasive arguments and, more critically, a deficiency in compelling ideological underpinnings. This shortcoming was particularly detrimental to the advancement of drama schools for an extended period. Analyzing the parallel development of two Berlin-based institutions—the private drama school at the Deutsches Theater and the first state-run German drama school—reveals that institutional change is most effectively driven by shifts in underlying beliefs and the prevailing narratives of rationality. The path toward formal institutionalization, complete with a recognized certification system, necessitated convincing the state of its obligation to support the performing arts. Consequently, the central narrative shifted from solely focusing on artistic achievement to encompassing the democratic ideal of educational equity. This shift aligned with the broader democratization of the theater landscape during the Weimar Republic, which included the abolition of theater censorship, the expansion of theater access through audience organizations, the regulation of social rights for theater employees, and the self-perception of theater practitioners like Piscator and Brecht, who sought to actively contribute to the construction of a democratic society through politically charged themes and innovative performance forms.

Weitere Angaben

Publikationsform: Aufsatz in einem Buch
Begutachteter Beitrag: Nein
Keywords: Neuer Institutionalismus; Schauspieltheorie; Schauspielgeschichte; Theatergeschichte; Historische Bildungsforschung
Institutionen der Universität: Fakultäten > Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät > Professur Theaterwissenschaft > Professur Theaterwissenschaft - Univ.-Prof. Dr. Wolf-Dieter Ernst
Profilfelder > Emerging Fields > Kulturbegegnungen und Transkulturelle Prozesse
Titel an der UBT entstanden: Ja
Themengebiete aus DDC: 300 Sozialwissenschaften > 370 Bildung und Erziehung
700 Künste und Unterhaltung > 700 Künste
900 Geschichte und Geografie
Eingestellt am: 09 Feb 2026 09:06
Letzte Änderung: 09 Feb 2026 09:06
URI: https://eref.uni-bayreuth.de/id/eprint/96035