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Zur Vulnerabilität der Pflegeprofession innerhalb der beruflichen Ausbildung und Tätigkeit

Titelangaben

Schmidt, Sebastian:
Zur Vulnerabilität der Pflegeprofession innerhalb der beruflichen Ausbildung und Tätigkeit.
Bayreuth , 2026 . - 97 S.
( Dissertation, 2026 , Universität Bayreuth, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften)

Abstract

Die Vulnerabilität stellt im Sinne der Conditio humana ein zentrales Kriterium dar, um Menschen mit besonderen gesundheitlichen Bedürfnissen zu identifizieren und darauf beruhende gesellschaftliche Ungleichheiten im Kontext der Gesundheitsversorgung abzubauen. Hierbei ist es vor allem von Bedeutung, dass Merkmale, welche mit Vulnerabilität assoziiert sind, weiterführend in ihren spezifischen Kontexten konturiert und kontextualisiert werden. Innerhalb der Pflegeprofession, der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens, stellen sowohl die Gesundheitskompetenz, als modifizierbare Variable sowie das Vorhandensein eines Migrationshintergrunds, als nicht-modifizierbare Variable wesentliche Merkmale im Kontext der Vulnerabilität der Pflegeprofession dar, wobei diese einerseits im Setting der beruflichen Tätigkeit (erster Forschungsstrang) und andererseits im Setting der beruflichen Ausbildung (zweiter Forschungsstrang) den Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit darstellen.
In einem ersten Schritt wurde hierzu eine systematische Literaturrecherche durchgeführt, um spezifische Belastungsfaktoren von Pflegefachpersonen mit Migrationshintergrund (PmMH) in der Kranken- und Altenpflege im Setting der beruflichen Tätigkeit zu identifizieren (erster Beitrag). Der zweite Beitrag richtete die Perspektive auf das Setting der beruflichen Ausbildung und untersuchte dabei in einem ersten, qualitativen Schritt, inwiefern die Förderung der Gesundheitskompetenz von Auszubildenden Gegenstand der generalistischen Pflegeausbildung ist und durch die Ausbildungspraxis operationalisiert wird (zweiter Beitrag). Darauf aufbauend wurde in einem dritten, quantitativen Schritt, die Gesundheitskompetenz von Auszubildenen erhoben und überprüft, ob sich die Gesundheitskompetenz zwischen dem ersten, zweiten und dritten Ausbildungsjahr unterscheidet (dritter Beitrag).
Mittels des ersten Beitrags konnten besondere Belastungen bei PmMH identifiziert werden, welche spezifisch im Kontext der pflegerischen Tätigkeit zuzuordnen sind und damit eine Setting-spezifische Vulnerabilität innerhalb der Pflegeprofession erzeugen. Hierzu zählen unter anderem Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen sowohl durch Kolleg*innen als auch Patient*innen sowie deren Angehörige aufgrund äußerer Merkmale (z. B. Hautfarbe, Kleidung). Auf Basis der Ergebnisse des zweiten Beitrags wurde ersichtlich, dass die Förderung der Gesundheitskompetenz von Auszubildenden ein wichtiges und notwendiges Kompetenz- und Ausbildungsziel der Generalistik darstellt, jedoch in der ausbildenden Praxis heterogen interpretiert und demzufolge unterschiedlich ausgestaltet wird. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse darauf hin, dass zwischen den Settings der beruflichen Ausbildung und beruflichen Tätigkeiten Dissonanzen bestehen, welche sowohl bei den Auszubildenden als auch den Lehrkräften zu Irritationen führen. Die Ergebnisse des dritten Beitrags zeigten, dass die Gesundheitskompetenz von Auszubildenden überwiegend problematisch bzw. inadäquat ausgeprägt (42,1 % bzw. 19,7%) ist und, dass keine Unterschiede zwischen dem ersten, zweiten und dritten Ausbildungsjahr hinsichtlich der Ausprägung der Gesundheitskompetenz bei Auszubildenden bestehen (p = 0.141).
Zusammenfassend unterstreichen die Ergebnisse, dass Vulnerabilität innerhalb der Pflegeprofession sowohl im Setting der beruflichen Tätigkeit als auch im Setting der beruflichen Ausbildung spezifisch auf Grundlage der aufgeführten Variablen determiniert wird und damit sowohl in Wissenschaft & Forschung als auch innerhalb der Ausbildungs- und Versorgungspraxis eine zentrale Rolle einnehmen. Perspektivisch sind nun weiterführende, longitudinal angelegte Studien in den aufgeführten Settings durchzuführen, um die vorliegenden Erkenntnisse einerseits zu festigen und andererseits weiterführend zu spezifizieren. Darüber hinaus ist es zwingend erforderlich, dass auf Basis der vorliegenden Evidenz Maßnahmen identifiziert werden, welche einen substanziellen Beitrag zur Prävention von Vulnerabilität innerhalb der Pflegeprofession in den Settings der beruflichen Ausbildung und Tätigkeit leisten.

Weitere Angaben

Publikationsform: Dissertation
Keywords: Vulnerabilität; Pflegeprofession; Setting; Gesundheitskompetenz; Migrationshintergrund
Institutionen der Universität: Fakultäten > Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät > Lehrstuhl Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften > Lehrstuhl Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften - Univ.-Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel
Titel an der UBT entstanden: Ja
Themengebiete aus DDC: 300 Sozialwissenschaften > 300 Sozialwissenschaften, Soziologie
600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften > 610 Medizin und Gesundheit
Eingestellt am: 12 Jun 2026 05:08
Letzte Änderung: 12 Jun 2026 05:08
URI: https://eref.uni-bayreuth.de/id/eprint/97912