Titelangaben
Hinz, Florian ; Heidenreiter, Sarah ; Lauerer, Michael:
Strukturelle und prozessuale Voraussetzungen und Hürden bei der Implementierung einer eingestreuten Nachtpflege : Ergebnisse einer Interviewstudie.
In: Zeitschrift für Transfer- und Implementierungsforschung im Gesundheitswesen.
Bd. 1
(2026)
Heft 1
.
- S. 4-14.
ISSN 3054-3118
DOI: https://doi.org/10.83106/ojs_30543118_101656
Abstract
Hintergrund: Die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland steigt kontinuierlich. Ihre Versorgung erfolgt mehrheitlich in der eigenen Häuslichkeit, was pflegende Angehörige vor vielfältige physische und psychische Herausforderungen stellen kann. Die nächtliche Betreuung kann besonders belastend sein, zugleich ist die Zahl expliziter Nachtpflegeplätze gering. Zwei Pflegeeinrichtungen haben daher das Konzept „Eingestreute Nachtpflege“ entwickelt und erprobt, um ein Entlastungsangebot für pflegende Angehörige in der Nacht zu schaffen. Implementierung und Umsetzung wurden von der Universität Bayreuth evaluiert.
Methodik: Mittels eines qualitativen Forschungsdesigns wurden semistrukturierte Leitfadeninterviews mit Leitungspersonen und Pflegekräften geführt, um Erfahrungen, Herausforderungen und Hindernisse hinsichtlich Implementierung sowie pflegepraktischer Umsetzung des Konzepts zu erheben. Zusätzlich wurde eine pflegende Angehörige bezüglich ihrer wahrgenommenen Entlastung befragt. Die Interviews wurden transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet.
Ergebnisse: Beide Pflegeeinrichtungen nutzten zur Implementierung kein standardisiertes Konzept, haben das Angebot auf verschiedenen Kanälen beworben und verzeichneten während der Projektlaufzeit jeweils einen regelmäßigen Nachtgast. Das Ausbleiben weiterer Nachtgäste wird, neben kurzfristigen Absagen und Verwechslung mit verwandten Konzepten (z. B. Kurzzeitpflege), mit einem erschwerten Zugang durch bürokratische Hürden und einem fehlenden Hol-/Bringdienst begründet. Die pflegerische Versorgung der Nachtgäste wird als gut händelbar, aber morbiditätsabhängig beschrieben. Die pflegende Angehörige berichtet eine spürbare Entlastung.
Diskussion und Ausblick: Aufgrund der geringen Resonanz ist die Aussagekraft der Ergebnisse zur pflegerischen Umsetzbarkeit begrenzt. Um die Akzeptanz der Zielgruppe zu erhöhen, sollte der Einführung des Konzepts eine Bedarfs-und Bedürfnisanalyse vorangestellt sowie ein partizipativer Ansatz, der pflegende Angehörige sowie multiprofessionelle Expertise einbezieht, gewählt werden. Essenziell ist zudem ein niedrigschwelliger Zugang durch schlanke Antragsverfahren und Unterstützungsdienste (z. B. Hol-/Bringdienst).
Abstract in weiterer Sprache
Background: The number of people in need of care in Germany increases continuously. Most of them are cared for in their own home which can cause diverse physical and mental challenges for caring relatives. Especially night-time care can be stressful while explicit night nursing places are scarce. Therefore, two nursing facilities developed and tested the “Interspersed Night Care” concept to provide a relief programme for caring relatives. Implementation and realisation were evaluated by the University of Bayreuth.
Methods: Using a qualitative research design, semi-structured guideline-interviews were conducted with management staff and nurses to assess experiences, challenges and barriers concerning the concept implementation and care realisation. Additionally, one caring relative was interrogated about perceived relief. Interviews were transcribed and content-analysed.
Results: Both facilities did not use a standardised concept for implementation, promoted the programme on various channels and recorded one regular overnight guest each. Short-term cancellations, confusions with related concepts (e.g. short-term care), difficult access caused by bureaucratic barriers and a missing pick-up/drop-off service are held responsible for the absence of further overnight guests. Care work is described as easy to handle but morbidity-dependent. The caring relative reported significant relief.
Discussion and Outlook: Due to low response, significance of care work-related results is limited. To increase the acceptance within the target audience, a demand and needs analysis should be conducted before implementing the concept. Additionally, a participative ap-proach involving caring relatives and multiprofessional expertise should be chosen. A low-level access through slim application proce-dures and supporting services (e.g. pick-up/drop-off) is essential.

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